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Verantwortlich: Josef Tatousian
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Bautrocknung nach einem Wasserschaden: Verfahren, Ablauf und Nachweis
Bautrocknung ist die technische Trocknung durchfeuchteter Bauteile mit Geräten, bis ein gemessener Zielwert erreicht ist. Diese Seite erklärt den Ablauf, die Verfahren und den Nachweis, an dem man das Ende der Trocknung erkennt.
Kennzahlen
- Zielwert Zementestrich
- höchstens 1,8 CM-% beheizt und 2,0 CM-% unbeheizt (DIN 18560)
- Zielwert Calciumsulfatestrich
- höchstens 0,3 CM-% beheizt und 0,5 CM-% unbeheizt
- Dauer
- Raumtrocknung Tage bis 2 Wochen, Dämmschichttrocknung 2 bis 4 Wochen, belegter Estrich 4 bis 8 Wochen
- Kalte Räume
- unter etwa 10 °C verlieren Kondensationstrockner stark an Leistung
Herleitung und Quellen aller Angaben stehen in den Abschnitten und unter „Quellen“.
Wie funktioniert eine Bautrocknung?
Eine Bautrocknung entzieht dem Bauteil Wasser, indem Geräte die Raumluft trocknen und das Bauteil Feuchte an diese trockene Luft abgibt, bis der Zielwert gemessen wird.
Das WTA-Merkblatt 6-16 beschreibt Planung, Ausführung und Kontrolle der technischen Trocknung als zusammenhängenden Vorgang. Ohne dokumentierte Ausgangs- und Kontrollmessung lässt sich der Erfolg weder belegen noch abrechnen.
Die Triebkraft ist ein Dampfdruckgefälle zwischen Bauteil und Luft. Fehlt es, etwa in kalten oder gesättigten Räumen, steht die Trocknung still, ganz gleich, wie viele Geräte laufen.
Wie läuft eine Bautrocknung nach einem Wasserschaden ab?
Eine Bautrocknung nach Wasserschaden läuft in sechs Schritten ab: Quelle beseitigen, Feuchte kartieren, Verfahren wählen, Geräte aufbauen, Verlauf messen, Abschluss messen und protokollieren.
Die Reihenfolge ist zwingend. Wer trocknet, bevor das Leck gefunden und abgestellt ist, trocknet gegen nachlaufendes Wasser.
Deshalb steht die Ortung vor der Trocknung und die Abschlussmessung vor der Wiederherstellung.
- 1. Leck orten und abstellen
- 2. Feuchte kartieren: Ausdehnung des Schadens in Wand, Boden und Dämmschicht messen
- 3. Verfahren wählen: Raumtrocknung, Dämmschichttrocknung im Über- oder Unterdruck
- 4. Geräte aufbauen und Messpunkte markieren
- 5. Verlauf in Abständen messen und im Protokoll festhalten
- 6. Abschlussmessung am Zielwert, danach Geräte abbauen
Welches Trocknungsverfahren passt zu welchem Schaden?
Das Verfahren richtet sich danach, wo das Wasser sitzt: Raumtrocknung für Wand und Oberfläche, Dämmschichttrocknung für nassen Fußbodenaufbau, sanfte Trocknung für belegten Estrich.
Kondensationstrockner kühlen die Luft unter den Taupunkt und sammeln das Kondensat. Adsorptionstrockner binden die Feuchte an ein Trockenmittel und arbeiten deshalb auch in kalten Räumen unter etwa 15 °C.
Belegter Estrich muss langsamer trocknen als frei liegender, damit Belag und Estrich keinen Schaden nehmen.
| Schadenbild | Verfahren | Dauer |
|---|---|---|
| Wand und Estrichoberfläche feucht | Raumtrocknung | wenige Tage bis 2 Wochen |
| Dämmschicht nass, schwimmender Estrich | Dämmschichttrocknung im Über- oder Unterdruck | 2 bis 4 Wochen |
| Nasse Dämmschicht unter dichtem Belag | Dämmschichttrocknung, Belag teilweise zurückgebaut | ab etwa 3 Wochen |
| Belegter Estrich | sanft geregelte Trocknung | 4 bis 8 Wochen |
Woran erkenne ich, dass die Bautrocknung fertig ist?
Die Bautrocknung ist fertig, wenn die Abschlussmessung den Zielwert zeigt, bei Estrich also die CM-Messung unter dem Grenzwert für Belegreife liegt, und nicht, wenn die Geräte lange genug gelaufen sind.
Die CM-Messung zerkleinert eine Probe aus dem Estrich, mischt sie mit Calciumcarbid und misst den Druckanstieg in einer geschlossenen Flasche. Sie ist das für die Belegreife anerkannte Verfahren; Regeln zur Probenahme legt das TKB-Merkblatt 16 fest.
Ergänzend wird hygrometrisch gemessen. Als Grenzwerte gelten dort 80 Prozent relative Feuchte bei unbeheizten und 75 Prozent bei beheizten Estrichen.
| Estrichart | Beheizt | Unbeheizt |
|---|---|---|
| Zementestrich | 1,8 CM-% | 2,0 CM-% |
| Calciumsulfatestrich | 0,3 CM-% | 0,5 CM-% |
| Hygrometrisch, relative Feuchte | 75 % | 80 % |
Was gehört in ein Trocknungsprotokoll?
Ein Trocknungsprotokoll hält Ausgangswerte, Verlaufsmessungen, eingesetzte Geräte und die Abschlussmessung mit Datum und Messstelle fest.
Das Protokoll ist der Beleg für den Versicherer und für den Bodenleger. Ohne den Endwert im Protokoll übernimmt kaum ein Bodenleger die Gewährleistung für den neuen Belag.
ProLeak führt das Protokoll als Teil der Schadensdokumentation: Messpunkte mit Foto, Werte mit Uhrzeit, Abschlussmessung mit Ergebnis.
- Messpunkte mit Skizze und Foto, damit spätere Messungen am selben Ort liegen
- Ausgangswerte vor dem Aufbau der Geräte
- Verlaufswerte mit Datum und Uhrzeit
- Anzahl und Typ der Geräte, Laufzeit
- Abschlusswerte mit dem Verfahren, mit dem sie gemessen wurden
Wie lange dauert eine Bautrocknung?
Eine Bautrocknung dauert nach einem Leitungswasserschaden wenige Tage bei oberflächlicher Feuchte und 4 bis 8 Wochen bei durchfeuchtetem Estrich oder Beton.
Neu gegossener Zementestrich braucht laut TKB-Merkblatt 16 rund 4 Wochen für die Durchhärtung, unabhängig von der Feuchte. Der Schwundabbau ist bei Normalzement in der Regel nach 28 Tagen erreicht.
Zu früh beendete Trocknung ist der häufigste Folgeschaden. Restfeuchte unter dem neuen Belag führt zu Schimmel und Ablösungen.
Häufige Fragen
- Kann ich nach einem Wasserschaden selbst trocknen, indem ich lüfte und heize?
- Bei kleinen Flächen oft ja, bei durchfeuchtetem Estrich oder nasser Dämmschicht nein. Dort erreicht normale Raumluft das Wasser nicht, und zu schnelles Aufheizen schädigt den Aufbau.
- Führt ProLeak die Bautrocknung selbst aus?
- Ja, Dämmschicht- und Raumtrocknung mit dokumentierter Feuchtemessung gehören zu den Leistungen von ProLeak. Das Aufstemmen und die Wiederherstellung übernimmt ein Kooperationsbetrieb.
- Warum kommt die Ortung vor der Trocknung?
- Solange Wasser nachläuft, ist Trocknen nutzlos. Die Ortung findet die Quelle, damit sie abgestellt wird, bevor Geräte aufgebaut werden.
- Wann ist der Estrich belegreif?
- Wenn die CM-Messung den Grenzwert für den Belag erreicht, bei Zementestrich beheizt 1,8 CM-%, bei Calciumsulfatestrich beheizt 0,3 CM-%. Fliesen und Parkett verlangen auf Zementestrich 0,3 CM-%.
- Wer trägt die Stromkosten der Trocknungsgeräte in der Mietwohnung?
- Der Vermieter muss Aufwendungen des Mieters in angemessenem Umfang ersetzen und auf Verlangen einen Vorschuss leisten (§ 555a Abs. 3 BGB). Zählerstand zu Beginn fotografieren.
Quellen
- [1]WTA-Merkblatt 6-16: Technische Trocknung durchfeuchteter Baukonstruktionen (Kurzfassung)Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege (WTA)
- [2]TKB-Merkblatt 16: CM-MessungTechnische Kommission Bauklebstoffe (TKB)
- [3]Auf dem Weg zur Belegreife: Bestimmung der Restfeuchte in EstrichenBG BAU
- [4]Allgemeine Wohngebäude Versicherungsbedingungen VGB 2022 (Wohnflächenmodell), Abschnitt A 4 und A 5Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)
- [5]Leitungswasserstatistik 2024IFS Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung e. V.
Allgemeine Hinweise, keine Rechts- oder Versicherungsberatung. Maßgeblich sind Ihr Vertrag und die Bedingungen Ihres Versicherers oder Versorgers.